Wortmacht
05.07.2002
von Amboss
Fast unbemerkt bewegen sich kleine Bands im Dickicht der aufkeimenden schwarzen Szene. Mit geringsten musikalischen Möglichkeiten liefern sie ein Höchstmaß an Qualität und Liebe zum Detail. Letzteres wird bei "Sinnflut" besonders durch die ergreifenden Texte deutlich. Umhüllt von einer musikalischen Dunkelheit, deren Extreme im Minimalismus ihre Heimat finden, wird hier nicht ein Text runtergepredigt, nein er wir erzählt mit all seinen Facetten, welche zwischen Gruselroman und Realität hin und her pendeln. Die beiden Brüder sind Underground im wahrsten Sinne des Wortes. Das dieser schwarze Underground mit viel Pathos und Klischees besetzt ist, dieses Vorurteil schafft das Duo aus der Welt. Ernsthaft und mit viel Liebe zum Detail verfällt man der dunklen Musik.
Fast unbemerkt bewegen sich kleine Bands im Dickicht der aufkeimenden schwarzen Szene. Mit geringsten musikalischen Möglichkeiten liefern sie ein Höchstmaß an Qualität und Liebe zum Detail. Letzteres wird bei "Sinnflut" besonders durch die ergreifenden Texte deutlich. Umhüllt von einer musikalischen Dunkelheit, deren Extreme im Minimalismus ihre Heimat finden, wird hier nicht ein Text runtergepredigt, nein er wir erzählt mit all seinen Facetten, welche zwischen Gruselroman und Realität hin und her pendeln. Die beiden Brüder sind Underground im wahrsten Sinne des Wortes. Das dieser schwarze Underground mit viel Pathos und Klischees besetzt ist, dieses Vorurteil schafft das Duo aus der Welt. Ernsthaft und mit viel Liebe zum Detail verfällt man der dunklen Musik.
Die drei CDs bestechen durch ihre wirkungsvolle Dunkelheit,
das Negative in Form einer Realsatire. Ergreifende Worte mit der passenden,
teilweise klassischen Musik versehen, lässt das Gehirn anspringen. Mitten
im Lied siecht man förmlich dahin und zwar mit seinen Gedanken. Die Schwermütigkeit
ist wie der ON-Schalter des Gehirns. Denken, schwelgen und mit sich in einer
Welt der kalten Harmonie schwebend, so in etwa wirkt die Musik von Sinnflut.
Insgesamt ein kleiner Hort der Zuflucht, wenn die Verzweiflung das Zepter übernimmt.
"Sinnflut" holen dich nicht heraus, nein, sie erzeugen die tiefe Gefühlswelt
in dir.
Stellt euch doch bitte einmal vor und beschreibt mit eigenen Worten, welche Art von Musik ihr macht.
Manuel:
Ich bin Manuel und mit 23 Jahren der Ältere von uns beiden. Zur Zeit bin
ich in Stuttgart und genieße eine Ausbildung als Mediengestalter. Wenn
wir aufgefordert werden, unsere Musik zu beschreiben, so fällt uns dies
verdammt schwer (- und soweit ich mich erinnern kann ist uns dies auch nie wirklich
gelungen -). Es ist wie das Beschreiben der Gefühle selber - eigentlich
muss man sie erfahren, um sie zu verstehen. Wenn man uns also fragt, dann sagen
wir so etwas wie: "Viel Klassik und Chor mit düsterem Wave und noch
düsterer Atmosphäre." Wahrlich verwenden wir viele klassische
Instrumente, von dem breiten Spektrum der Streicher an über das Piano bis
hin zu den Blasinstrumenten (Oboe, Flöte, Trompete, etc.), ebenso aber
auch Schlagzeug und Gitarre. Die Werke Sinnflut’s definieren sich vor allem
über seine Texte; als das Projekt 1998 ins Leben gerufen wurde, stand noch
allein der Gedanke an die Vertonung von Gedichten einer bis heute 5-bändigen
Lyriksammlung von Manuel Bartsch, die noch immer ungebrochene Basis Sinnflut’s
ist. Dieser Ansatzpunkt stellt gleichzeitig den Grund für die ausschließlich
deutschen Texte in all unseren Liedern dar. Trotz der Textlastigkeit ist die
Musik aber niemals nur Beiwerk oder einfache Untermalung gewesen, sonder war
ständig gleichberechtigt - und mehr noch, sie hat ohne Unterlass den Anspruch
vertreten, parallel zur Sprache, den Inhalt der Texte eigenständig zu übermitteln!
Viele
Menschen sehen in unsere Musik jedoch nicht nur ruhig tragende Melancholie,
sondern beschreiben als fast schon als depressiv. Ob das so ist, soll jeder
für sich entscheiden, Tatsache ist jedoch, Sinnflut ist definitiv nichts
zum "nebenbei" hören! Man muss zuhören können –
und diese Aufgabe reichen wir bewusst an unsere Hörer weiter, wir fordern
seine Bereitschaft, selber die Musik aufzunehmen und sie verstehen zu wollen.
Magnus:
Da mein Bruder so ziemlich alles zum Thema "Wie wir unsere Musik beschreiben"
gesagt hat, bleibt mir nur noch übrig mich vorzustellen. Ich bin 19 Jahre
alt und da ich gerade mit der Schule fertig bin, beginne ich im September meinen
Zivildienst in Stuttgart. Da Manuel und ich dadurch nach längerer Zeit
wieder in der gleichen Stadt wohnen, werden wir diese Zeit intensiv nutzen können,
um an unserem 4. Album zu basteln.
Euer drittes Album ist nun ein Jahr veröffentlicht, wie seid ihr mit den Reaktionen zufrieden?
Manuel:
Kurz gesagt "Sehr"! Aber ein wenig überrascht waren wir schon,
denn die Kritiken sind durchweg sehr positiv ausgefallen. Mit einem Vergleich
zwischen Reaktionen zu vorherigen Alben können wir allerdings nicht dienen,
denn im Grunde sind nämlich die zu "Band 3", die ersten schriftlichen
Kommentare und Reviews von Außerhalb, da wir erst mit diesem 3. Band begonnen
haben, aktiv auf uns aufmerksam zu machen.
Magnus:
Dem kann ich nur beipflichten. ich konnte es kaum fassen wie positiv die Reaktionen
waren.
Ihr macht alles selbst, vom Cover bis zur Verbreitung. Gibt es Kontakte zu Labels für die nächste Veröffentlichung?
Magnus:
Wir haben zwar schon ein paar CD’s an verschiedene Labels geschickt, aber
bisher ist noch nichts daraus geworden. Ich glaube aber auch, dass es Zeit braucht,
um die richtigen Menschen für eine gute Zusammenarbeit zu finden.
Manuel:
Zudem hatten wir, soweit ich mich entsinnen kann, auch nur unseren ersten Band
versendet. Jetzt würde es auch vielleicht ein wenig anders aussehen, da
sich ja seit dem bei uns auch einiges getan hat.
Bei der Art Musik, welche ihr macht, kommt schnell der Begriff "neue deutsche Todeskunst" auf. Könnt ihr mit dieser Bezeichnung leben, oder ist der Begriff zu negativ besetzt?
Manuel:
So weit ich weiß, entstand der Begriff in den 90er Jahren als Analogon
zur "Neuen Deutschen Welle". Die NDW wiederum in den frühen 80er
Jahren, als man endlich anfing das allgegenwärtige Englisch als musikalische
Textform abzulegen und sich gezielt in der Muttersprache auszudrücken.
In dieser Zeit rückten auch vielmehr die emotionale Ausdruckskraft und
die textlichen Inhalte der Lieder in den Vordergrund (was sich allerdings später
im Zuge des wachsenden kommerziellen Erfolges wieder änderte!). Da man
in der deutschen Gothic-Szene, den frühen 90er Jahren, ebenfalls begann
die deutsche Sprache als Tabu-Thema abzulegen, entstand eben der Begriff "Neue
Deutsche Todeskunst". Ob diese Anlehnung an den Begriff NDW nun aber hauptsächlich
aus kommerziellen Bestrebungen erfolgte und somit die Bezeichnung NDT Einzug
in die Musiklandschaft hielt (da der Begriff an sich sehr gut vermarktbar schien),
weiß ich nicht. Wenn man aber lediglich den historischen parallelen des
Musikmachens folgt und glaubt, kann ich mit dem Begriff gut leben, da er prinzipiell
nichts falsches aussagt (abgesehen davon, dass er schon etwas sehr künstliches
an sich hat und ebenso ziemlich bizarr wirkt). Auf der anderen Seite hat er
sich eben auch nicht durchsetzen können und damit einhergehend kleben an
ihm auch eine Menge Vorurteile und Missverständnisse bzw. Unwissenheit.
Texte wie Musik sind sehr dunkel, benötigt man bestimmte Stimmungen um die Texte zu schreiben, bzw. die Musik zu komponieren?
Manuel:
Ich weiß nicht, wie es anderen ergeht, ich jedoch brauche keine sonderlich
spezielle Situationen oder Gefühlskonstellationen. Ich glaube, mit der
Musik treffe ich meine Lebensphilosophie, die ich schließlich niemals
ablegen kann. Darüber hinaus kann ich mich in Situationen, wie ich sie
auch in meinen Texten beschreibe, sehr schnell hineinversetzen, so dass ich
auf "richtige Gelegenheiten" nicht unbedingt warten muss.
Magnus:
Auch ich benötige nicht eine bestimmte Stimmung um einen Text von Manuel
zu vertonen. Der Text an sich besitzt immer eine bestimmte Grundstimmung, in
die man sich nur "hineinfallen" lassen muss. Dann kommen die Ideen
von allein. Auf diese Weise sind auch unsere bisherigen Werke entstanden.
Auf dem Album sind mit Sebastian Röhrer und Michael Krahn zwei Gitarristen zu hören, gehören sie zur Band?
Magnus:
Da wir beide nicht Gitarre spielen können, bekamen wir die nötige
Unterstützung beim Experimentieren mit Gitarren-Sounds von Sebastian Röhrer
und Michael Krahn.
Für die Zukunft wünschen wir uns schon dauerhafte Unterstützung
dieser Art.
Manuel:
Genau, sie helfen uns ab und zu und ich bin mir sicher, dass wir auch jeder
Zeit auf sie zählen können. "Sinnflut" als Band jedoch besteht
nur aus Magnus und Manuel Bartsch.
Kannst du mehr über den alten Menschen erzählen, der Inhalt von "ein ganzes Leben" ist?
Manuel:
Er ist ein Mensch, der nicht zwangsweise alt an Jahren ist. Vielleicht hat er
viel erlebt – zumindest viel für ihn. Er ist allerdings reine Fiktion,
vielleicht eine Befürchtung und ich hoffe für ihn, dass er nirgendwo
wirklich existiert. Er lebt einzig aus der Kraft heraus, die Gewissheit zu besitzen
der einzige Mensch zu sein, der an soviel erlebten Elend nicht zu Grunde gegangen
ist. Es ist eine Art Trotzreaktion. Das Absurde besteht darin, dass er letztendlich
nur noch aus dem Grund lebt, der ihm eigentlich sein eigenes Leben zerstört
hat – nämlich die Pein, der Schmerz. Und in seiner Einsamkeit setzt
er sich einem Masochismus aus, indem er ohne Unterlass in Büchern und Schriften
nach möglichen Schicksalen sucht, die auf negativer Weise sein eigenes
übertreffen und er damit auch den letzten Sinn in seinem Leben verliert
... was dann ja auch geschieht!
Gibt es eine Verbindung mit dem Folgesong "das Lachen" in dem es über ein Kind geht?
Manuel:
Nicht direkt, obwohl es denkbar wäre. Es ist ein eigenes Schicksal. Ob
dieser Schicksalsschlag jedoch ausreichen würde, eine solch leidende Person
vom Ausmaß des Titels "Ein ganzes Leben" zu erschaffen, weiß
ich nicht. Das liegt dann im Auge des Betrachters.
Die Texte sind wie vertonte Gedichte, dabei wählst du eine Sprache, die nicht immer klar werden lässt, was die Aussage des Songs ist. Willst du den Hörer zum Nachdenken anregen und seiner Interpretationsfreude freien Lauf lassen?
Manuel:
Nun, es SIND Gedichte! Und darauf lege ich auch sehr großen Wert. Alle
Texte entstehen separat, ohne vorher über eine Vertonung nachgedacht zu
haben. Das Überdenken – manchmal auch bezeichnet als "Interpretieren"
– ist deshalb auch so wichtig, um die Gesamtaussage zu verstehen. Und eben
das ist unser erklärtes Ziel: "Zum Nachdenken anregen." Niemand
soll sich allerdings hinsetzen und wissenschaftlich die Texte zerpflücken
– oh je. Deshalb ist es ja auch Musik. Sie soll im Menschen aufgenommen
werden und weiterleben und jeder beginnt sich auf seine eigene Art und Weise
schließlich Gedanken darüber zu machen und die Inhalte für sich
auszuwerten – wenn er es denn möchte. Ich selbst bin mir der Tatsache
bewusst, das meine gewählte Sprache nicht die einfachste ist und, obwohl
ich für mich immer eine konkrete Aussage oder Situation formuliere, weiß
ich, dass ich sehr gerne und wissentlich die Dinge so umschreibe, dass sie auf
verschiedene Weisen auffassbar sind. Mein Bruder sagte einmal, das vielleicht
gerade auch hier die Musik nicht nur hilft die Texte zu übermitteln, sondern
auch die Inhalte zugänglicher zu machen. Er sagte, sie sei dann so eine
Art "Gehilfe" auf dem Weg zum Verständnis.
Auffallend ist, dass die Songs zum Schluß ein wenig härter erscheinen, ohne auf die kühle Atmosphäre zu verzichten. Stimmt der Eindruck und gibt es einen Grund hierfür?
Manuel:
Ja, der Eindruck stimmt ganz und gar. Das Album zeigt eine instrumentelle Steigerung,
oder auch Entwicklung auf, vom ersten Titel "Ein ganzes Leben – Teil1",
in dem der Text fast für sich alleine steht, bis hin zum Titel 6 "Kristallkäfig"
(bzw. Titel 7 "Sie" [Gitarrenversion]), indem, nach dem Einsatz eines
Orchesters, die Gitarren die Oberhand gewonnen haben. Und in allen Stücken
versuchen wir die Tiefe aufleben zu lassen, die notwendig ist, sowohl die Texte
zu übermitteln, als auch die Hörer zu fesseln und anzusprechen. Von
vornherein war dieser Verlauf nicht unbedingt angestrebt, aber auf dem Weg zur
Fertigstellung und bei der Auswahl und Reihenfolge der Musik-Stücke, kristallisierte
sich immer mehr und mehr diese Struktur heraus. Für mich ist sie ein stetiges
ansteigen in sich ruhender und übermittelter Emotionen, die von Stück
zu Stück immer lauter und aggressiver werden, bis man letztendlich das
Gefühl hat, sie heraus schreien zu müssen, da sie zu mächtig
geworden sind.
Wie viel persönliche Erfahrungen lässt du in deinen Texten einfließen?
Manuel:
Ganz einfach alle. Ich denke, dass man persönliche Erfahrungen nie aus
irgend etwas heraushalten kann. Schon gar nicht aus einer so persönlichen
Sache, wie Gedichte schreiben.
Das Cover Artwork eurer drei CDs erinnert ein wenig an Lacrimosa, ist dies beabsichtigt?
Manuel:
Nein, das ist es auf keinen Fall und ehrlich gesagt, sehe ich auch nicht wirklich
Parallelen.
Magnus:
Beim Cover der 2. CD ist vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit vorhanden,
die jedoch bestimmt nicht beabsichtigt war und einen ganz eigenen Ursprung hat.
Doch bei Band 1 und 3 empfinde ich dies absolut nicht.
Die Alben sind mit Band 1-3 betitelt. Gibt es einen thematischen Zusammenhang zwischen den Werken?
Manuel:
Einen thematischen nicht, aber einen ursprünglichen. Der Zusatztitel "Band"
(1-3) entstammt aus dem Zusammenhang, das eine Verbindung zwischen meine Lyrik-Bänden
und den Musik-Alben bestehen bleibt. Es ist also eine Adaption, denn genauso,
wie jeder meiner Gedichtsbände eine Schaffensperiode zusammenfasst, fasst
auch jedes Musikalbum etwas für sich zusammen, nur dass es hier jeweils
Inhalt, oder Thema ist.
Für eine "Band", welche hauptsächlich durch die Texte ihre Ausdrucksform findet ist ein Titel wie "Wortlosigkeit", ein wenig überraschend, was steckt hinter dem Titel von Band 2?
Manuel:
Die Bezeichnung ist in gewisser Weise ein Homonym und trägt ihren Ansatzpunkt
direkt beim Vorgängeralbum "Band 1 - Vergessene Melodien". Beide
Titel weisen auf etwas verloren gegangenes hin. Bei "Band 1" ist es
die Melodie (genauer gesagt die Musik, aber auch der Klang der Worte bzw. des
Inhaltes) und bei "Band 2" sind es die Worte, die Sprache. Inhaltlich
beschreibt "Wortlosigkeit" aber auch den Konsens des 2 Albums. Der
Titel beschreibt zum einen das Resultat aus den beschriebenen Situationen und
den damit überlieferten Emotionen. Man ist also "sprachlos" im
Hinblick auf das Geschehene. Zum anderen soll er auf die Kommunikationslosigkeit
dieser Gesellschaft zeigen, die Verschlossenheit, das Anonyme. Hinter jeder
Fassade stecken doch so viele Schicksale!
Zwei Brüder in einer Band, da kommt es doch auch mal zu Streitigkeiten, wie kann man sich eure Zusammenarbeit vorstellen?
Manuel:
Ja, Zoff gibt’s auch schon mal, gerade weil diese "zwei Brüder"
auch noch die einzigen Bandmitglieder sind ...!
Unsere Zusammenarbeit ist aber vor allem intuitiv und ergänzend. Jeder
versteht ziemlich schnell, worauf der andere hinaus will und der eine kann besser
arrangieren, der andere besser komponieren und manchmal ist es eben anders herum.
Das Gegenseitige ist das Wichtige und das klappt prima.
Magnus:
Die größten Streitigkeiten gibt es meist bei Kleinigkeiten (z.B.:
welches Tönchen soll an diese Stelle ...). Darüber wird dann erst
einmal heftig diskutiert. da wir beide Sturköpfe sind, kann das entweder
ausarten oder sehr lange dauern. Das ganze geht dann so lange bis einer nachgibt.
Läßt eurer Meinung nach das Musikgeschäft noch genügend Platz für Bands wie euch?
Manuel:
Eigentlich ja, da es uns in Ruhe lässt und wir durch unsere Ungebundenheit
machen können, was wir wollen, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen!
Aber in Wirklichkeit natürlich nicht, oder nur ganz wenig. Vielleicht ist
dies aber ja auch gut so, denn in diesem ungeheuren Streben nach Profit und
dem einhergehenden Zeitdruck, wüsste ich nicht, ob ich mich wohlfühlen
würde. Aber ich möchte hier das "Musikgeschäft" nicht
an den Pranger stellen, vielleicht wäre es ja anders, wenn die Gesellschaft
die Kunst mehr zu schätzen wüsste. Vielleicht sind aber auch die Künstler
der Musik viel zu viel geworden, so dass ein Überblick kaum noch möglich
scheint und irgendjemand entscheiden muss, was gut ist und was nicht!
Magnus:
Dazu kommt auch noch, dass es auch in unserer Szene mehr und mehr hauptsächlich
um die Tanzbarkeit der Lieder geht, besonders wenn man seine Musik erfolgreich
vermarkten will.
Alles in allem ist bestimmt irgendwo ein Plätzchen für uns frei, aber
es dürfte sehr schwer werden.
Bis auf zwei Fotos im Booklet eurer ersten CD gibt es keine weiteren Porträts auf den CDs, habt ihr Angst durch euer Aussehen in eine bestimmte Schiene gepresst zu werden?
Magnus:
Ich denke, dass wir nicht verhindern können in eine Schiene gepresst zu
werden. Ob wir Bilder von uns in den Booklets abdrucken, oder nicht spielt da
keine große Rolle.
Manuel:
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass unsere Schiene nicht gerade viele Weichen
hat, aber man muss ja trotzdem nicht gleich alles herauf beschwören. Davon
abgesehen, spielt das Gesicht oder die Erscheinungsform der Menschen hinter
der Musik für das Resultat keine Rolle. Die Person ist zwar wichtig, aber
nicht das Aussehen. Auf der anderen Seite ist es uns im Übrigen auch sehr
viel wichtiger die Texte abzudrucken, als unsere Gesichter.
Die Hauptklientel eurer Hörer dürfte in der Gruftie Szene zu finden sein. Wie sehr seid ihr mit dieser Szene verbunden?
Manuel:
Sehr! Schließlich ernähren wir sie ja auch ein Stück weit mit
unserem Schaffen.
Magnus:
Zudem hat auch sie selbst unser Schaffen geprägt!
Wann wird Band 4 veröffentlicht, was erwartet den Hörer auf dem neuen Werk und wann werdet ihr Live zu sehen sein?
Manuel:
"Band 4" wird wohl noch ein wenig auf sich warten lassen, aber kommen
wird er bestimmt. In baldiger Zukunft ist vorerst eine Single geplant: "Im
Anblick meines Augenblicks", die unser erstes gleichnamiges Video enthält.
Wir arbeiten zwar daran, die Bühne zu erobern, doch bislang gestaltete
sich dies gerade aufgrund der unterschiedlichen Wohnorte als sehr schwierig.
Wir müssen uns selbst noch ein wenig gedulden. Vorerst ist es wichtig,
erst einmal einen Ort zu finden, an dem wir gemeinsam für längere
Zeit bleiben können um auch live das übermitteln zu können, was
wir auf den Alben zum Ausdruck bringen wollen. Geplant ist dabei in jedem Falle
unter anderem eine Kombination aus Lesung, Hörspiel und Musikkonzert. Hier
sollen außerdem weitere musikalische Stücke, die ich selber unter
meinem eigenen Namen im Rahmen meiner Texte veröffentliche, zur Präsentation
gelangen.
(andreas)
Quelle: www.amboss-mag.de
