Wagner ohne Bombast
Reviews-Das Vermächtnis,
22.04.2002
Das Projekt um die Gebrüder Bartsch entstand 1998 und mit dem
aktuellen Album gibt es die dritte CD, welche mit spärlichen Mitteln
im Homerecording Verfahren eingespielt wurde, welches man der Produktion
nie anmerkt. Herausgekommen ist ein sehr düsteres und sehr getragenes
Werk, welches durch die Kraft der Texte und die Vielfältigkeit der
benutzten deutschen Sprache glänzt. Am ehesten zu Vergleichen ist
es mit Lacrimosa und frühen Goethes Erben. Der Gesang erinnert des
Öfteren an Tilo, während die theatralische Lyrik eher an Oswald
Henke erinnert. Die Musik ist im Endeffekt eine Melange aus Beidem. Die
weiblichen Backings in "Das Lachen" erinnern an alte Geisterfilme.
Ebenso bedrohlich erscheint auch die Musik des Duos.
Die klassischen Vertonungen erinnern teilweise an Wagner ohne Bombast. Und dieser Verzicht scheint bewußt gewählt, denn dadurch erschafft man die getragene Schwermut, welchen jeden Song mit Wehmut umhüllt. Die sehr ruhig komponierten Songs lenken das Gehör direkt auf Gesang und Text. Hier liegt die Stärke des Duos. Die Musik dient als Vertonung von Gedichten, welche sich bei jedem Hören neu entblättern. "Im Anblick meines Augenblicks" schafft es über 10 Minuten einen Spannungsbogen aufzubauen, der den Hörer einerseits fesselt, andererseits in einen tiefen Abgrund zieht. Mit einer fast exzessiven Ruhe legt sich der Gesang über eine tieftraurige Komposition. Der Tod wurde oft bildlich dargestellt, hier gelingt es in Form von Musik. Ein wahrlich gelungenes Stück Trauer.
Im Brief wünschte mir Manuel Bartsch viel Ruhe beim Hören und das wünsche ich euch auch. Nehmt euch Zeit und versinkt in die düstere Welt von Sinnflut.
(andreas)
Quelle: www.amboss-mag.de