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Pflicht für alle schwarz angehauchten Herzen

Reviews-Wortlosigkeit, 15.05.2002

Image Erst kürzlich habe ich Band 3 der beiden Brüder aus Leipzig besprochen. Dieses Album machte Lust auf mehr uns so bat ich die beiden darum auch ihre ersten beiden Veröffentlichungen meinem Gehör zukommen zu lassen. Ich war auf alles vorbereitet, schließlich handelte es sich um die ersten Gehversuche einer jungen Band, aber eine derartige Qualität hatte ich nicht erwartet.

Wie auf dem aktuellen Album besticht bereits bei diesen Frühwerken die Symbiose aus tieftraurigen, sehr getragenen Sounds und lyrischen Texten, welche mit hingebungsvoller Stimme intoniert werden. Die romantische Ausrichtung ihrer Musik dient dem samtenen Dahinschwinden aus dem Alltag. Solange das Ohr allein als Auffanggerät dient, verliert man sich in wundervolle Träume. Sobald jedoch die Texte die Gehörknöchelchen überwinden und ins Kleinhirn dringen beginnt man tief in eine fremde Gefühlswelt einzudringen. Die Texte sind düstere Epen, voller Poesie, ohne je in klischeehafte Düster-Melancholie zu versinken. Ich habe Band 3 als eine Mischung aus Lacrimosa und Goethes Erben bezeichnet. Nach Hören dieser beiden ersten Werken der Band weiß ich, dass dieses nur als eine grobe Richtung gelten kann. Denn hier herrscht die Ursprünglichkeit der Musik, man verzichtet auf jegliche moderne Ausrichtungen.

Die tiefdunkle Atmosphäre erzeugt von getragener Elektronik und balledesker Pianosonaten ist wie ein gezielt gesetzter Pfeil der direkt zwischen Herz und Verstand den Menschen trifft. Es ist schon wahnsinnig wie es dieses Duo schafft mit einfachsten Mitteln einen Spannungsbogen aufzubauen, der über zehn Minuten den Hörer fesselt. Doch damit nicht genug, jeder Song erzeugt aufs neue dieses Verlangen, diese Gier nach einem Bildnis der Traurigkeit. Band 2 beginnt mit einem Intro, welches jegliche Freude in einem Tümpel der Traurigkeit versenkt. Schwermütig schleicht sich das folgende "Sie" in die Gehirnwindungen. Die sakrale Eleganz von "Kerker" umhüllt den Körper mit Nebel. Die dezent gesetzte Drummachine durchdringt die kirchliche Orchestralität und lässt Platz für verspielte Variationen trauriger Musik.

Ganz dezent würde ich mal sagen, Sinnflut sind meine Entdeckung des Jahres. Info und Pflicht für alle schwarz angehauchten Herzen.

(andreas)

Quelle: www.amboss-mag.de