Epik

Wenn es leise wird

aus "Epik"

Band-3_Das-VermaechtnisJeder Verlust ist ein Gewinn – für den, der verloren hat und die Vergangenheit. Was bleibt sind Erinnerungen und ein ganz eigenes Vermächtnis.

Band 3 ist die unmittelbare Fortsetzung von “Band 2 – Wortlosigkeit” und gleichzeitig Abschluss und Vollendung dieser Trilogie.

Besetzung
Musik: SINNFLUT
Texte: Manuel Bartsch
Gitarre: Michael Krahn, Sebastian Röhrer

Sinnflut sind
Magnus Bartsch, Manuel Bartsch


ReviewsLyriks

Beinahe schon ein Novum

www.obliveon.de – 24.05.2002
obliveon - Heavy Metal und Gothic Magazin

“Wir verstehen unsere Musik als eine Vertonung von Poesie und Emotionen, die in ihrer Einheit bewegen soll – eine Sinfonie mit dem Ziel der menschlichen Berührung”, so heisst es auf der Homepage von Sinnflut, dem Dark Wave-Projekt der beiden Brüder Manuel und Magnus Bartsch. Treffender liesse sich das Ansinnen der Beiden nicht formulieren, denn basierend auf den Gedichtbänden Manuel´s ist die harmonische Verbindung von Wort und Musik eine emotionell bewegende und melancholische, zum Teil erdrückende Ode Sinnflut´s an die Schwermut.

Musikalisch unter Einbeziehung klassicher Instrumente zum Teil sehr minimalistisch, beziehen Sinnflut ihren besonderen Reiz aus der zur höchsten Kunstform erhobenen Ausdruckslosigkeit in der Stimme Manuel´s, nicht den Texten, die in ihrer Akzentuierung und ihrem Ausdruck nicht selten an die frühen Werke Tilo Wolff´s erinnert. Sinnflut setzen, in unserer schnellebigen Zeit beinahe schon ein Novum, die intensive Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit voraus, und in der Tat, “Das Vermächtnis” ist keine CD, der man sich nur oberflächlich nähern sollte. Sinnflut entfalten mit ihren bis zu elf Minuten langen Kompositionen nämlich erst dann ihre volle Wirkung, wenn die Verschmelzung von Poesie und Emotion durch das Verstehen der Texte beim Zuhörer gelingt. Diese Zeit sollte man sich allerdings nehmen, denn erst dann macht die Flut der Sinne wirklich Sinn.

Sinnflut wollen nicht rocken

www.dunkle-welten.de – 12.05.2002

Das Vermächtnis ist bereits das dritte in Eigenregie aufgenommene, kopierte und vertriebene Album des Projekts mit dem schönen Namen Sinnflut. Sinnflut, das sind die Brüder Magnus und Manuel Bartsch, die auf dieser CD von Sebastian Röhrer und Miachael Krahn streckenweise mit Gitarrenspiel unterstützt werden. Doch der größte Teil der Musik kommt aus der Konserve.

Sinnflut wollen nicht rocken, sie machen keine Musik für Tanzflächen, sondern einfach zum Anhören. Dabei stehen die Texte von Manuel im Zentrum, getragener langsamer Sprechgesang, der von atmosphärischer, recht minimalistischer Musik untermalt wird.

Ein ganzes Leben reduziert die Erfahrungen eines menschlichen Lebens auf Schmerz und Leid, rückblickend aus dem Alter erzählt. Das Lachen berichtet von einem Kind, dem das Lachen gestohlen wird. Im Anblick meines Augenblicks ist ein kurzer Text über die Sinnlosigkeit des Lebens und den Tod. Kalte Ohren sind Ohren, die nicht zuhören, wenn ihnen etwas persönliches erzählt wird. Und in Kristallkäfig hat sich das Lyrische Ich “den Himmel ganz anders vorgestellt”. Zum abchluss gibt es noch die Gitarren Version von Sie, der einzige Text, der im Booklet nicht abgedruckt ist.

Das Vermächtnis erzählt von den dunklen Seiten des Lebens, von Traurigkeit, von seelischem Schmerz, weniger von körperlichem. Leider zu pathetisch und zu selten konkret, die Worte Schmerz, Leid usw. werden zu inflationär gebraucht. Das Dunkle ist nicht wirklich fassbar, sondern bleibt plakativ. Auffallend auch, dass die Texte sehr kurz sind im Vergleich zur Länge der einzelnen Stücke, die Stimme könnte manchmal deutlicher sein. Die musikalische Umsetzung wirkt streckenweise noch unausgereift, aber dennoch interessant. Schön, dass nicht versucht wird, den Zuhörer mit Bombast zu erschlagen, was man bei den Texten auch hätte machen können; die beiden beweisen Sinn für Verzögerungen, Pausen und Zurückhaltung an den richtigen Stellen. Doch auch andere Elemente kompositorisches Geschick. Der leise Mädchengesang zu Beginn von Das Lachen bringt beispielsweise eine schöne Stimmung in das Stück, das auch abgesehen davon das interessanteste des Albums ist. Auch Kristallkäfig weiß mit seiner Steigerung, von neofolkartigen Klängen ausgehend, zu gefallen.

Das Vermächtnis ist sicher kein perfektes Album, doch für eine Eigenproduktion sehr schön gestaltet. Sinnflut ist ein Musikalisches Projekt mit Potential, sollte man unbedingt im Hinterkopf behalten. Denn eine Musikszene braucht keine neuen Sisters of Mercy Klone, sondern eigenständige Ideen. Und da liegt man bei Sinnflut nicht falsch.

(Boris Koch)

Die dunkelste Ecke

Radio Mystery – 11.05.2002

Sinnflut. Ein Lyrik Musikprojekt der Brüder Magnus und Manuel Bartsch. Zunächst denke ich an die deutsche ,,Deutschrock” Band ,,Sinnflut”, welche den gleichen Namen trägt! (Wenn das mal nicht böse ausgeht) Doch schnell wird klar, hier geht es um eine ernste, düstere Musiklandschaft. Die Cd ,,Das Vermächtnis” geht in die dunkelste Ecke die man eigentlich gehen kann.

Ein Lacrimosa-fan erkennt sofort. Sinnflut machen das, was Tilo Wolf in seinen Anfängen machte. Die Musik sowie der Gesang erinnern an Lacrimosa Werke wie ,,Angst” ,,Einsamkeit”! Doch sollte man ihnen vorwerfen Kopierer zu sein? Ich denke eigentlich nicht! Viele sehnen sich noch heute an solche alten Lacrimosa Songs. Diese Art der Musik wird durch ,,Sinnflut” eventuell noch etwas lebendig gehalten. Leider fehlen hier die wirklich schönen Melodien, die man trotz dunkler Stimmung beisetzen sollte! Auch E-Gitarreneinsätze sind z.B. beim Song ,,Kalte Ohren” zu hören! Ansonsten kann ich noch ,,Sie” oder ,,Ein ganzes Leben” als Anspieltipps nennen.

(Sebastian)

Wagner ohne Bombast

www.amboss-mag.de – 22.04.2002
amboss-mag
Das Projekt um die Gebrüder Bartsch entstand 1998 und mit dem aktuellen Album gibt es die dritte CD, welche mit spärlichen Mitteln im Homerecording Verfahren eingespielt wurde, welches man der Produktion nie anmerkt. Herausgekommen ist ein sehr düsteres und sehr getragenes Werk, welches durch die Kraft der Texte und die Vielfältigkeit der benutzten deutschen Sprache glänzt. Am ehesten zu Vergleichen ist es mit Lacrimosa und frühen Goethes Erben. Der Gesang erinnert des Öfteren an Tilo, während die theatralische Lyrik eher an Oswald Henke erinnert. Die Musik ist im Endeffekt eine Melange aus Beidem. Die weiblichen Backings in “Das Lachen” erinnern an alte Geisterfilme. Ebenso bedrohlich erscheint auch die Musik des Duos.

Die klassischen Vertonungen erinnern teilweise an Wagner ohne Bombast. Und dieser Verzicht scheint bewußt gewählt, denn dadurch erschafft man die getragene Schwermut, welchen jeden Song mit Wehmut umhüllt. Die sehr ruhig komponierten Songs lenken das Gehör direkt auf Gesang und Text. Hier liegt die Stärke des Duos. Die Musik dient als Vertonung von Gedichten, welche sich bei jedem Hören neu entblättern. “Im Anblick meines Augenblicks” schafft es über 10 Minuten einen Spannungsbogen aufzubauen, der den Hörer einerseits fesselt, andererseits in einen tiefen Abgrund zieht. Mit einer fast exzessiven Ruhe legt sich der Gesang über eine tieftraurige Komposition. Der Tod wurde oft bildlich dargestellt, hier gelingt es in Form von Musik. Ein wahrlich gelungenes Stück Trauer.

Im Brief wünschte mir Manuel Bartsch viel Ruhe beim Hören und das wünsche ich euch auch. Nehmt euch Zeit und versinkt in die düstere Welt von Sinnflut.

(andreas)

1. Ein ganzes Leben

er war schon alt
alt im Geist und alt im Herzen
man sah sein Leid
seine Trauer, seine Schmerzen
sie peinigten ihn schon sein ganzes Leben lang
und hörten nicht auf
sie machten ihn krank

mit zerschundener Seele
grub er sich in
Worten zielloser Suche ein
und trug verhärmt sich dort zu Grabe
am Leben hielt ihn nur der Schmerz
fernab von jedem Tage
der einzig und allein, an seinem Atem zerrt
Trost ihn zu besitzen ohne Frage
allein mit ihm zu sein
Genugtuung so viele Qualen zu ertragen

immer wieder fiel er in die Bücher ein
um die Folter zu vergessen
doch plötzlich sein Bluten nach Hilfe rang
er glaubte zu zerbrechen
als er in Strophen seine Leiden las
der Sinn wollt’ ihn erstechen

in jedem Vers stand kurz und knapp
sein Leben auf den Punkt gebracht
mit all seinen Schmerzen und all seinem Leid;

mit gläsernem Blick blieb er nun da
sein Gesicht vom Schmerz geweißt
dem Tod war er ein Stück zu nah
und vom Leben ein Stück zu weit

2. Das Lachen

Das Kind im Rinnstein der Straße
Ist erschöpft von der langen Nacht
Gefüllt mit Tränen versucht es zu weinen
Doch ist es viel zu schwach

Seine Lippen sind krampfhaft vermauert
Sie verbauen sein eigenes Ich
Die Fäuste geballt an den Ohren
So sieht und hört man es nicht

Plötzlich schlägt es die Augen auf
Wieder der Traum, der keiner war
Die Erinnerung zwar schon ergraut
Doch leider nicht auslöschbar

Es war ein Mann mit breitem Kreuz
Den es nur schwer erkannte
Sein Blick war starr nach vorn gerichtet
Wieder der, der es einst mit Namen nannte

Einen Rucksack hatte er dabei
Gefüllt mit leichten Sachen
Er vergaß die Worte der Trennung
Und entführte nur des Kindes Lachen

So ging der Mann des Wegs
Schritt für Schritt und rennt
Mit der Linken schloß er die Tür
Bedacht, aber konsequent

Dies brannte sich tief in die Seele des Kindes ein
Der Mond schimmert silbern und lacht
Es verfällt in ein schluchzendes Heulen, verstummt
Und verschwindet im Dunkel der Nacht

3. Im Anblick meines Augenblicks

Vor der letzten Stille meines Lebens
lege ich mein Atem nieder
die Knie berühren den Boden
die Hände begleiten ihn sanft
schweren Mutes richte ich mich auf
und blicke in die Sinnlosigkeit meiner Welt
die Kräfte schwinden
die Hoffnung versiegt und stirbt

noch wankend vor der Anmut
betäubt vom Augenblick
lege ich mich nieder
die Kälte besiegt den Körper
kein Ton wird mehr laut
zäh gerinnt das Blut in den Adern – wird starr
und die Rosen, die ich hier einst pflanzte, nicken zum letzten Mal.

4. Kalte Ohren

ein dunkles Licht in meinem Herz
ein Leiden, das mir auf der Seele schmerzt
ich wollt’ vertreiben diese Last
bevor sie meinen Körper faßt
und mich zerstört

war ich blind vor Kummer oder taub vor Freud’
das ich, mich mit dir teilen konnte
ich sägte meinen Schädel frei
um dich in ihn hinein zu lassen
ich gab dir meine Schmerzen preis
die ich, bereits vergaß zu hassen
doch Stille
nichts geschah
nur mit jedem Wort, das daraufhin gebar
brach ich auf ein neues Mal

– – –

kalte Ohren hören meinem Lied
von Trauer und Gebrechen
im Mittelpunkt es keinen gibt
mit keinem kann ich sprechen
der Hintergrund tritt in den Vordergrund
ich fange an zu wanken
ich hänge haltlos hier im Raum
und suche nach den Schranken
mein Leben zieht an dir vorbei
ich fühle mich betrogen
statt Achtung finde ich letztendlich nur
ein Publikum mit kalten Ohren

– – –

dein Interesse schwand
und so taub und blind, wie ich zuvor
standest du nun da
doch nichts geschah
nur Stille
du hörtest nicht mal hin

– – –

kalte Ohren hören meinem Lied

5. Kristallkäfig

erwacht bin ich
in einem Käfig aus Eis
zersprungene Tränen
begrenzen mein Reich
die Luft schmeckt bitter,
dem Verständnis gleich
bedrohliche Stille
aus meinen Augen weicht

das weiße Blut
es stört mich nicht
auch wenn es die Adern
in meinem Leib zersticht
am Boden spiegelt sich
mein Gemüt
ein wehrloser Engel
mir in die Augen sieht

den Schlüssel der Schwermut
hatte ich wohl erkannt
als flammende Sehnsucht
in meinem Herzen stand
hab ich mir den Himmel
ganz anders vorgestellt
und kaufte den wohl teuersten
Kristall der Welt

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