Epik

Wenn es leise wird

aus "Epik"

Band-1_Vergessene-MelodienVergessen wollen, vergessen können, vergessen fürchten, vergessen schätzen – vergessen heißt, nicht immer die Angst vor dem Verlusst in sich zu spüren, sondern auch das Sehnen danach. Sehnen nach Ruhe, nach Stille.

Und mit jedem Vergessen tragen wir die lieben oder unliebsamen Harmonien zu Grabe – Melodien, die jeder von uns kennt, die jeder von uns schon einmal gesungen hat.

Vergessen – der Ursprung aller Stille.

Besetzung
Musik: SINNFLUT
Texte: Manuel Bartsch

Sinnflut sind
Magnus Bartsch, Manuel Bartsch


ReviewsLyriks

Meine Entdeckung des Jahres

www.amboss-mag.de – 15.05.2002
amboss-mag
Erst kürzlich habe ich Band 3 der beiden Brüder aus Leipzig besprochen. Dieses Album machte Lust auf mehr uns so bat ich die beiden darum auch ihre ersten beiden Veröffentlichungen meinem Gehör zukommen zu lassen. Ich war auf alles vorbereitet, schließlich handelte es sich um die ersten Gehversuche einer jungen Band, aber eine derartige Qualität hatte ich nicht erwartet.

Wie auf dem aktuellen Album besticht bereits bei diesen Frühwerken die Symbiose aus tieftraurigen, sehr getragenen Sounds und lyrischen Texten, welche mit hingebungsvoller Stimme intoniert werden. Die romantische Ausrichtung ihrer Musik dient dem samtenen Dahinschwinden aus dem Alltag. Solange das Ohr allein als Auffanggerät dient, verliert man sich in wundervolle Träume. Sobald jedoch die Texte die Gehörknöchelchen überwinden und ins Kleinhirn dringen beginnt man tief in eine fremde Gefühlswelt einzudringen. Die Texte sind düstere Epen, voller Poesie, ohne je in klischeehafte Düster-Melancholie zu versinken. Ich habe Band 3 als eine Mischung aus Lacrimosa und Goethes Erben bezeichnet. Nach Hören dieser beiden ersten Werken der Band weiß ich, dass dieses nur als eine grobe Richtung gelten kann. Denn hier herrscht die Ursprünglichkeit der Musik, man verzichtet auf jegliche moderne Ausrichtungen.

Die tiefdunkle Atmosphäre erzeugt von getragener Elektronik und balledesker Pianosonaten ist wie ein gezielt gesetzter Pfeil der direkt zwischen Herz und Verstand den Menschen trifft. Es ist schon wahnsinnig wie es dieses Duo schafft mit einfachsten Mitteln einen Spannungsbogen aufzubauen, der über zehn Minuten den Hörer fesselt. Doch damit nicht genug, jeder Song erzeugt aufs neue dieses Verlangen, diese Gier nach einem Bildnis der Traurigkeit. Band 2 beginnt mit einem Intro, welches jegliche Freude in einem Tümpel der Traurigkeit versenkt. Schwermütig schleicht sich das folgende “Sie” in die Gehirnwindungen. Die sakrale Eleganz von “Kerker” umhüllt den Körper mit Nebel. Die dezent gesetzte Drummachine durchdringt die kirchliche Orchestralität und lässt Platz für verspielte Variationen trauriger Musik.

Ganz dezent würde ich mal sagen, Sinnflut sind meine Entdeckung des Jahres. Info und Pflicht für alle schwarz angehauchten Herzen.

(andreas)

1. Revue

ich will mich nicht erinnern
was damals geschah
Bilder gehen ins Detail
ergreifen hautnah
die Gedanken reißen mich in tiefe Tränentäler
Schluchten voller Leblosigkeit
sie halten mich gefangen
dort im Zentrum stiller Einsamkeit
nicht einen Schrei Hilfe lassen sie vorbei
ich fühl’ mich unendlich vogelfrei

die Schwerkraft wurde neu erfunden
das Handeln jener Tage bestimmt das Gewicht
doppelt so schwer, schmerzhaft
meine Muskeln sind leer ich
geh unter ertrinke im Tränenmeer

so steh ich da und laß’ die Revue passieren
wende mich ab und sterbe vor Scham
ich schau’ nicht hin und betrachte
das Innere meiner Hände
alt und schwach
zitternd, grau und lahm
sie können keinen Traum mehr
halten nur noch vor der Schau bewahren
Schutz vor dem Damals und dem Jetzt
ein Schild verlorener Hoffnung
übrig bleibt nur die Aufgabe als Lösung
in dem Moment der Darstellung
der Augenblick
vergeht ein stummer Schrei der sich leis’ erhebt
gestrandet im Strom, dem Ende nah
das Ziel verpaßt
das Dasein ist
doch das Leben war

2. Mein sicheres Ziel

Ich hatte gehofft
Du würdest mir deine Liebe schenken
Ich glaubte daran
Ich glaubte an dich
Göttliche Schönheit
Schwebender Gang
Losgelöst, doch nie gehalten
Meine Hände
Versuchen nach dir zu greifen
Meine Finger
Suchen tastend
Im leeren Raum verloren
Du verschwendest keinen Laut an mich
Warum soll ich es tun
Kein Bild hab ich je von dir erhalten
Keinen Herzschlag von dir je gespürt
Ist dein Schweigen denn das Zeichen
Das du an mich Gedanken wendest?
Warum soll ich weiter nach dir eilen
Wenn du mich vergißt
Wenn du mir nicht sagst
Ob du mich erwarten wirst

Allein gelassen fühl’ ich mich
Und hoff’ dich zu vergessen
Lieben will ich nicht allein
Und ich weiß
Mein Ziel kannst du nicht sein
So unerreichbar fern und weit

3. Neubeginn

Ein dunkler Ort
Nahe am Rand
Zwischen Herz und Verstand

Dort stehe ich wieder
Und blicke hinüber
Auch in dieser Nacht

Ich komme oft hierher
Wo die Einsamkeit ruht
Wo ich blute vor Wut

Wo sie Gesellschaft fand
Wo ich alleine stand
Und der Neid erwachsen wurde

Orte ohne Worte
Und ohne Verstand
Übrig blieb nur ein leerer Fleck an meiner Hand

Ich habe verzweifelt Abstand gesucht
Die Nähe verflucht
Und wie ich fand sie verloren

– – –

Mit Angst auf der Stirn
Und Schweiß in den Augen
Mit stumpfem Blick
Und getrübtem Sinn
Beginn ich an die Nacht zu glauben
Und vergesse, wer ich wirklich bin
Mit geballten Fäusten sehe ich der Nacht entgegen
Und dem tiefen Wunsch im Herzen morgen noch zu leben
Ich weiß, daß ich es schaffen kann
Ich weiß, daß ich es kann

– – –

Doch heut’ bereue ich die Tat
Beachte jeden gut gemeinten Rat
Und fang an die Sonne neu zu suchen

– – –

Mit Angst auf der Stirn

4. Auferstanden

Gestern habe ich wieder mit dir gesprochen
es war fast, als wärst du da gewesen;
nur viel ruhiger.

Ich habe wieder mit dir lachen können,
wie so oft zuvor, nur war es diesmal
sehr viel trauriger.

Ich konnte wieder deine Wärme spüren;
endlich, sie hatte mir gefehlt,
doch sie war so kalt geworden.

Gestern hatte ich dein Grab berührt
und ich wußte –
morgen sehen wir uns wieder.

5. Doch nur ein schwaches Schweigen

Ein Blick in dein Gesicht
die Schönheit meinen Geist zerbricht
meinen festen Stand ins Wanken bringt
bis jener zäh zu Boden sinkt
und liegen bleibt.

Verlassen von mir und geköpft
meine Lunge hastend nach Leben schöpft
das fade Papier in meiner Hand
gewinnt den Kampf – Mann gegen Mann
nicht einmal Mut vermag ich zu zeigen.

Die Stimme bricht in Schweigen aus
wo der Gedanke Bände spricht
die Lippen zittern – nur ein Hauch
erdolcht von meiner Zunge
die im Halse sticht.

Ein Vulkan der Ängste ist entflammt
und läßt nun neues Land gedeihen
ich sinke zu Boden und du erkennst
mein Körper wird auch morgen
wieder Schwäche schweigen.

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